Die Diskussionen um den Meistertitel sind endlos, die Entscheidungen darüber jedoch nicht. Wir sind nur noch einen kleinen Schritt von der Disqualifikation des Meistertitels entfernt. In unseren Köpfen geistern seither (nicht zu Unrecht) die Vorstellungen von unqualifizierten Firmengründern umher. Menschen in- und ausländischer Herkunft versuchen seither jedes Schlupfloch im Paragraphendschungel zu nutzen, um auch ohne Meisterprüfung einen möglichst qualifizierten Eindruck zu machen. Unser BZ-Gesprächspartner Yavuz Akzoy hat zu diesem Thema eine ganz klare Meinung.

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(Foto (AL): Fliesenleger-Meister Yavuz Aksoy mit seiner kleinen Familie vor dem neuen Werbeschild in der Bregenzer Straße 61. Die lange Liste der angebotenen Leistungen überragt sogar noch etwas das Firmen-Logo. Aksoy ist klarer Befürworter des Meisterbriefes, weil nur so Qualität auch wirklich gesichert sei.)


Seit Anfang Mai dieses Jahres ist Aksoy selbständig als Fliesenleger tätig. Der Name lässt richtig vermuten, Aksoy ist ausländischer Herkunft mit türkischen Wurzeln. Gerade dieser Umstand macht den jungen Mann so interessant, denn sein Werdegang zeigt, alles ist möglich – wenn man nur will. Erst mit 12 Jahren kam Aksoy aus der Türkei nach Deutschland. Er sprach weder ein Wort deutsch, noch hatte er einen Freundeskreis. Eines war ihm jedoch von Anfang an klar, das Sprachproblem kann nur im Umgang mit Deutschen gelöst werden. Heute spricht Aksoy akzentfrei Deutsch, so als wäre es seine Muttersprache. Wie viele Jugendliche probierte auch Aksoy sich in allen Möglichen Schulpraktika aus. Seine Berufswünsche gingen hin und her. Bäcker, doch so früh aufstehen ist nicht jedermanns Sache. Koch, doch für Türken ist Schweinefleisch ein großes Tabu. Der Beruf des Fliesenlegers erschien ihm letztlich als geeignet. Von 5 Lehrlingen in Lindau blieb er als einziger im Geschäft. Er bestand die Ausbildung, arbeitete bei verschiedenen Firmen in Lindau und irgendwann redeten ihm viele zu, die Meisterschule zu machen. Ein Schritt vor dem Aksoy sich lange scheute: „Noch einmal die Schulbank drücken, dachte ich? Das wird sicher schwer“, erinnert er sich.

Aksoy irrte sich nicht, es wurde schwer. Die ersten Monate büffelte er bis Mitternacht, aber er biss sich durch. Am Ende bestand er die anspruchsvolle Prüfung. Seit 2002 ist Aksoy Meister. Es sollte noch einmal rund 4 Jahre dauern, bis Aksoy sich an den nächsten Karrieresprung wagte. Wiederum drängten ihn Freunde und die wirtschaftliche Situation, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. „Wirtschaftliche Besserung war nicht zu erwarten, außerdem hatte ich die Möglichkeit in Betrieben bei denen ich als Geselle tätig war bei einem Scheitern wieder unterzukommen. Ich wollte es probieren“, erzählt der heute 29-jährige. Im Jahr 2004 wurde in Deutschland die Zahl der Handwerke, in denen eine Meisterpflicht besteht, deutlich reduziert. Im Zuge der Vereinheitlichung der Ausbildungssysteme in der Europäischen Union sollen Gesellen und Meister in der ganzen Union gleichgestellt werden. Auch ein Fliesenlegerbetrieb muss nicht mehr zwangsläufig einem Meister unterstellt sein.

Aksoy verteidigt trotzdem diese Sicherung von Qualitätsstandards. Es möge schon sein, dass ein Meisterbetrieb nicht so billig ist wie ein gering qualifizierter Betrieb, aber es wäre nicht das erste Mal, dass Aksoy Pfusch von Billigfirmen beseitigen muss. „Fliesen Aksoy“ heißt der Betrieb kurz und bündig. Der angebotene Leistungsumfang ist sehr groß. Nicht nur die reine Verlegung von Fliesen wird angeboten. Auch verputzen im Rahmen seiner Arbeiten, Mauern von Trennwänden, Glasmosaikverlegung, Estrich und die Sanierung und Verlegung von Flächen im Außenbereich (z.B. Terrassen und Balkone). Wie gut der sympathische Jungunternehmer ist, erkennt man daran, dass er auch weiterhin mit und für die Betriebe in denen er einst arbeitete, tätig ist. Man schätzt seine Arbeit. Auch die GWG nahm schon seine Leistungen in Anspruch. Bei seiner eigener Mutter sanierte er z.B. schon die Wohnung. Und nun hat sie das wohl schönste Bad und WC der gesamten GWG.

Wir wünschen Yavuz Aksoy alles Gute und viel Erfolg mit seinem Meisterbetrieb. Aksoy hat es noch nicht vom sprichwörtlichen Tellerwäscher zum Millionär geschafft, aber sozusagen vom Schuhputzer zum Meister – und das ist schließlich die höchste Qualifikationsstufe im deutschen Handwerk. Der Meistertitel ist und bleibt ein Titel an dem sich letztlich der Kunde orientieren kann. Ein Wertmaßstab für einen Betrieb, der bislang seinesgleichen in Europa sucht.